Loslassen und Ankommen – ein Neubeginn in meiner neuen Heimat
Über den Wandel im Herbst, die Kraft des Loslassens und das Vertrauen, dass Neues entstehen darf.
Es gibt Zeiten im Leben, in denen wir spüren, dass ein Abschnitt zu Ende geht. Nicht unbedingt, weil etwas nicht mehr gut ist, sondern weil sich unser Leben weiterentwickelt. Was uns lange begleitet hat, darf langsam in den Hintergrund treten. Vertraute Orte werden zurückgelassen, Gewohnheiten verändern sich und neue Wege öffnen sich.
Genau an einem solchen Punkt stehe ich gerade.
Mein Mann Dietmar und ich beginnen einen neuen Lebensabschnitt. Wir verabschieden uns von unserem bisherigen Zuhause und schlagen unsere Wurzeln an einem neuen Ort auf: in Kirnberg an der Mank in Niederösterreich.
Mit diesem Schritt verändert sich vieles. Ein neues Zuhause entsteht, eine neue Umgebung wartet darauf, entdeckt zu werden, und auch der Alltag wird sich neu gestalten. Gleichzeitig darf ich mich von einem wichtigen Kapitel meines beruflichen Lebens verabschieden: meiner langjährigen Praxis in St. Florian.
Doch Abschied bedeutet nicht, dass alles verloren geht. Vieles von dem, was mich über die Jahre geprägt hat, begleitet mich weiter. Meine Erfahrungen, meine Freude an der Arbeit mit Menschen und meine Begeisterung für Yoga, Meditation und ganzheitliche Körperarbeit bleiben ein Teil von mir.
Und so beschäftigt mich gerade eine Frage ganz besonders:
Wie gelingt es uns, das Alte in Dankbarkeit loszulassen und gleichzeitig offen für das Neue zu werden?
Diese Frage begleitet mich nicht nur persönlich. Sie begegnet mir auch in meiner Arbeit mit Cranio-Sacraler Impulsregulation, Hara-Shiatsu, Yogatherapie, Meditation und Achtsamkeit. Denn Veränderung gehört zum Leben. Und oft beginnt sie lange bevor wir äußerlich einen neuen Weg einschlagen.
Loslassen bedeutet nicht, alles hinter sich zu lassen
Wenn wir von Loslassen sprechen, denken wir häufig daran, etwas aufzugeben. Einen Ort, einen Menschen, eine Aufgabe, eine Gewohnheit oder eine Vorstellung davon, wie unser Leben sein sollte.
Doch Loslassen bedeutet für mich nicht, das Vergangene abzuwerten oder einfach einen Schlussstrich zu ziehen.
Es bedeutet vielmehr, anzuerkennen, dass etwas seinen Platz in unserem Leben hatte und uns geprägt hat. Wir dürfen dankbar auf diese Zeit zurückblicken, ohne an ihr festhalten zu müssen.
Meine langjährige Arbeit in der eigenen Praxis war ein wichtiger Teil meines Lebens. Über viele Jahre durfte ich Menschen begleiten, ihnen zuhören, mit ihnen arbeiten und sie dabei unterstützen, wieder mehr Verbindung zu ihrem Körper, ihren Bedürfnissen und ihrer inneren Mitte zu finden.
In dieser Zeit sind viele Begegnungen, Erfahrungen und wertvolle Momente entstanden. All das gehört zu meinem Weg und bleibt ein Teil von mir.
Mit dem Abschied von meiner Praxis in St. Florian endet eine vertraute Form meiner Arbeit. Das bedeutet aber nicht, dass meine Freude daran, Menschen zu begleiten, ebenfalls endet. Vielmehr darf sie sich weiterentwickeln und eine neue Form finden.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Kunst des Loslassens: Nicht alles festhalten zu müssen, um das Wertvolle daraus bewahren zu können.
Wir können Erinnerungen mitnehmen, Erfahrungen würdigen und gleichzeitig Platz für neue Möglichkeiten schaffen.
Der Herbst – eine Einladung, nach innen zu schauen
Dass mich dieses Thema gerade im Herbst besonders beschäftigt, ist kein Zufall.
Die Natur zeigt uns jedes Jahr, wie selbstverständlich Veränderung sein kann. Nach der Fülle des Sommers werden die Tage kürzer, die Temperaturen sinken und die Blätter beginnen, sich zu verfärben. Schließlich lösen sie sich von den Bäumen und fallen zu Boden.
Ein Baum hält seine Blätter nicht fest, weil er Angst vor dem Winter hat. Er folgt seinem natürlichen Rhythmus.
Der Herbst ist aber nicht nur eine Zeit des Abschieds. Er ist auch eine Zeit der Reife, der Ernte und der Sammlung. Die Natur zieht ihre Kräfte zurück und bereitet sich auf die ruhigere Jahreszeit vor. Diese Ruhe ist kein Ende, sondern Teil eines immer wiederkehrenden Kreislaufs.
Auch wir dürfen uns an diesem Rhythmus orientieren.
Nach Phasen, in denen wir viel leisten, organisieren, gestalten und für andere da sind, kann es wohltuend sein, das Tempo zu reduzieren. Wir können uns fragen, was uns wirklich wichtig ist, welche Verpflichtungen noch zu uns passen und wovon wir uns verabschieden möchten.
Vielleicht müssen wir nicht immer noch mehr tun, um unser Leben zu verbessern. Vielleicht entsteht mehr Klarheit, wenn wir beginnen, Überflüssiges wegzulassen.
Der Herbst erinnert uns daran, dass Rückzug kein Stillstand sein muss. Manchmal ist er notwendig, damit wir wieder spüren können, was in uns wachsen möchte.
Loslassen aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin
In der Traditionellen Chinesischen Medizin, kurz TCM, wird der Herbst dem Element Metall zugeordnet. Dieses Element steht unter anderem für Klarheit, Ordnung, Abgrenzung und die Fähigkeit, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden.
Dem Element Metall werden in der TCM die Organsysteme Lunge und Dickdarm zugeordnet. Auf einer symbolischen Ebene lässt sich daraus ein schönes Bild für das Thema Loslassen entwickeln.
Die Lunge nimmt auf. Mit jedem Atemzug lassen wir frische Luft in unseren Körper strömen. Mit jedem Ausatmen geben wir Luft wieder ab.
Wir können nicht ausschließlich einatmen. Aufnehmen und Abgeben gehören zusammen.
Ähnlich verhält es sich mit unserem Leben. Wir nehmen Erfahrungen, Eindrücke, Beziehungen und Wissen auf. Wir entwickeln uns weiter, verändern unsere Sichtweisen und sammeln Erinnerungen. Doch nicht alles muss für immer in derselben Form bleiben.
Manche Erfahrungen dürfen sich setzen. Manche Erwartungen dürfen wir hinterfragen. Und manche Dinge dürfen wir verabschieden, weil sie nicht mehr zu unserem heutigen Leben passen.
Auch der Dickdarm steht in der TCM sinnbildlich für das Ausscheiden und Loslassen. Übertragen auf unser Leben können wir uns fragen, was wir nicht länger mit uns herumtragen möchten: alte Vorstellungen, überholte Ansprüche an uns selbst oder die Erwartung, dass alles so bleiben muss, wie es einmal war.
Das Element Metall wird außerdem mit Klarheit und innerer Ausrichtung verbunden. Es lädt uns ein, genauer hinzusehen und bewusster auszuwählen.
- Was ist mir wirklich wichtig?
- Was möchte ich bewahren?
- Was darf gehen?
- Wofür möchte ich in meinem Leben Platz schaffen?
Diese Fragen passen besonders gut in den Herbst. Sie sind eine Einladung, nicht nur im Außen aufzuräumen, sondern auch im Inneren.
Die Zuordnungen der TCM sind Teil eines traditionellen ganzheitlichen Erklärungsmodells. Sie können uns wertvolle Bilder und Denkanstöße für die persönliche Reflexion schenken, auch wenn sie nicht als wissenschaftlich gesicherte Erklärungen für Erkrankungen verstanden werden sollten.
Die Kraft des Atems – zwischen Abschied und Neubeginn
Wenn ich an das Loslassen denke, kommt mir unmittelbar der Atem in den Sinn.
Der Atem begleitet uns vom ersten bis zum letzten Moment unseres Lebens. Meist nehmen wir ihn kaum wahr, solange alles selbstverständlich funktioniert. Doch wenn wir innehalten, können wir entdecken, wie eng unser Atem mit unserem Erleben verbunden ist.
In angespannten Situationen wird der Atem oft flacher oder schneller. Wenn wir zur Ruhe kommen, kann er wieder freier und gleichmäßiger fließen.
Eine einfache Atemübung kann uns helfen, für einen Moment aus dem Gedankenkarussell auszusteigen.
Setze dich bequem hin. Spüre den Kontakt deiner Füße zum Boden und nimm wahr, wie du gerade atmest. Du musst nichts verändern. Beobachte einfach das Einatmen und das Ausatmen.
Vielleicht möchtest du beim Ausatmen bewusst die Schultern sinken lassen. Vielleicht kannst du wahrnehmen, wie sich dein Bauch sanft bewegt.
Du brauchst nichts zu erzwingen und auch nicht besonders tief zu atmen. Lass den Atem in seinem natürlichen Rhythmus fließen.
Mit jedem Ausatmen kannst du dir vorstellen, etwas Spannung abzugeben. Mit jedem Einatmen darfst du wahrnehmen, dass ein neuer Moment beginnt.
Nicht, weil damit alle Herausforderungen verschwinden. Sondern weil du dir selbst einen Augenblick schenkst, in dem du nichts lösen und nichts erreichen musst.
Du darfst einfach da sein.
Gerade in Zeiten großer Veränderungen kann diese kleine Rückkehr zum Atem ein wertvoller Anker sein.
Ankommen braucht Zeit – auch im neuen Zuhause
Ein neues Zuhause ist mehr als ein Gebäude.
Natürlich brauchen wir Wände, ein Dach und Räume, in denen wir schlafen, kochen, arbeiten und leben können. Doch das Gefühl, wirklich angekommen zu sein, entsteht nicht allein dadurch, dass die Möbel an ihrem Platz stehen oder die letzten Umzugskartons ausgepackt sind.
Ein Zuhause wächst mit uns.
Es entsteht durch vertraute Abläufe, durch den ersten Kaffee am Morgen, durch Licht, das zu einer bestimmten Tageszeit durch das Fenster fällt, durch Spaziergänge in der Umgebung und durch Begegnungen mit Menschen, die uns nach und nach vertrauter werden.
Es entsteht, wenn wir beginnen, uns nicht mehr nur an einem Ort aufzuhalten, sondern uns mit ihm verbunden zu fühlen.
Für mich bedeutet das Ankommen in Kirnberg an der Mank deshalb mehr als einen Wohnortwechsel. Es bedeutet, eine neue Umgebung mit allen Sinnen kennenzulernen, die Landschaft und Natur zu entdecken, neue Wege zu gehen und unseren Alltag Schritt für Schritt neu zu gestalten.
Es bedeutet auch, unserem neuen Zuhause Zeit zu geben, sich zu einem Ort zu entwickeln, an dem wir uns wohlfühlen, Kraft schöpfen und neue Erinnerungen sammeln können.
Dabei darf auch Unsicherheit ihren Platz haben.
Nicht jeder Anfang fühlt sich sofort leicht an. Manchmal vermissen wir Gewohntes. Manchmal vergleichen wir das Neue mit dem Alten. Und manchmal wünschen wir uns, dass wir uns schon genauso zu Hause fühlen wie dort, wo wir viele Jahre gelebt haben.
Doch Verbundenheit lässt sich nicht erzwingen.
Sie wächst durch Zeit, Offenheit und wiederkehrende Erfahrungen. Wir müssen nicht vom ersten Tag an alles kennen und lieben. Wir dürfen neugierig sein, beobachten und uns langsam einleben.
Vielleicht beginnt Ankommen genau dort, wo wir aufhören, vom neuen Ort zu erwarten, dass er sich sofort wie der alte anfühlen muss.
Unsere neue Heimat muss nicht genauso sein wie die bisherige. Sie darf ihre ganz eigene Geschichte mit uns entwickeln.
Zwischen Abschied und Neubeginn liegt eine Zeit des Übergangs
Oft stellen wir uns Veränderung wie einen klaren Schnitt vor: Das Alte endet, das Neue beginnt.
In Wirklichkeit gibt es dazwischen häufig eine Zeit, in der wir noch nicht ganz losgelassen haben und uns gleichzeitig noch nicht vollständig auf das Neue eingelassen fühlen.
Diese Übergangszeit kann sich ungewohnt anfühlen.
Wir haben vielleicht schon Entscheidungen getroffen, wissen aber noch nicht genau, wie sich der Alltag entwickeln wird. Wir haben Vorstellungen und Wünsche, doch manche Dinge brauchen länger als geplant. Wir möchten losgehen, müssen aber zunächst warten.
Auch unser neues Zuhause in Kirnberg an der Mank entsteht Schritt für Schritt. Ein Haus braucht Zeit, Planung und Geduld. Und ebenso wenig entsteht ein neues Lebensgefühl innerhalb weniger Tage.
Ich darf gerade selbst erfahren, wie wichtig es ist, diesen Zwischenraum nicht nur als Wartezeit zu betrachten.
Er kann eine Zeit der Neuorientierung sein. Eine Gelegenheit, innezuhalten und zu überlegen, was ich aus meinem bisherigen Leben mitnehmen möchte und was in Zukunft anders sein darf.
Vielleicht muss nicht sofort alles feststehen.
Vielleicht darf ich zunächst beobachten, welche Wünsche sich verstärken, welche Ideen bleiben und welche sich mit der Zeit wieder verändern.
Nicht jede Pause ist eine Unterbrechung unseres Weges. Manchmal gehört sie ganz selbstverständlich dazu.
Was bedeutet diese Veränderung für Mensch und Raum?
Mit dem Abschied von meiner bisherigen Praxis verändert sich auch die äußere Form meiner Arbeit. Gleichzeitig bleibt das, was mich über viele Jahre begleitet hat, weiterhin ein wesentlicher Teil meines Lebens: die Freude daran, Menschen auf ihrem Weg zu mehr Körperwahrnehmung, Achtsamkeit und innerer Balance zu begleiten.
Mensch und Raum steht für mich nicht nur für einen bestimmten Ort. Es geht um den Raum, den wir uns selbst zugestehen. Um die Verbindung zu unserem Körper. Um die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und wieder bewusster mit sich selbst in Kontakt zu treten.
Dieser Gedanke wird mich auch in Kirnberg an der Mank begleiten.
Wenn unser neues Zuhause fertiggestellt ist, möchte ich dort neue Möglichkeiten für Begegnung und gemeinsames Üben entstehen lassen. Ich freue mich darauf, wieder Yogakurse anzubieten und Menschen zusammenzubringen, die sich bewegen, bewusst atmen und sich selbst etwas Gutes tun möchten.
Auch Meditation und Achtsamkeit sollen weiterhin ihren Platz haben. Denn gerade in einem Alltag, der häufig von Tempo, Anforderungen und vielen äußeren Eindrücken geprägt ist, brauchen wir Momente, in denen wir zu uns zurückfinden können.
Bis dahin darf ich selbst eine Zeit des Übergangs erleben. Ich darf planen, gestalten, mich auf das Neue freuen und gleichzeitig akzeptieren, dass manche Dinge noch nicht möglich sind.
Das ist für mich ebenfalls eine Form der Achtsamkeit: nicht ständig schon am nächsten Schritt zu sein, sondern wahrzunehmen, was gerade dran ist.
Ich muss nicht heute schon alles verwirklichen, was ich mir für morgen wünsche.
Ich darf wachsen lassen, was Zeit braucht.
Und ich darf darauf vertrauen, dass neue Möglichkeiten entstehen, wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen sind.
Yoga in Zeiten der Veränderung – die Verbindung zu uns selbst stärken
Yoga ist für mich weit mehr als eine Abfolge körperlicher Übungen.
Es ist eine Möglichkeit, den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen, den Atem einzubeziehen und immer wieder in den gegenwärtigen Moment zurückzukehren.
Gerade in Zeiten des Wandels kann diese Verbindung hilfreich sein. Wenn im Außen vieles in Bewegung ist, schenkt uns eine regelmäßige Yogapraxis einen vertrauten Rahmen.
Wir rollen unsere Matte aus. Wir spüren unsere Füße auf dem Boden. Wir bewegen uns, atmen und nehmen wahr, was gerade da ist.
Vielleicht fühlen wir uns an einem Tag kraftvoll und beweglich. An einem anderen Tag sind wir müde, unruhig oder gedanklich ganz woanders. Auch das darf sein.
Yoga lädt uns ein, nicht gegen uns selbst zu arbeiten, sondern mit dem zu üben, was wir gerade mitbringen.
Besonders im Herbst können sanfte, bewusste Bewegungen, Atemübungen und kurze Meditationen eine wohltuende Möglichkeit sein, den Übergang in die ruhigere Jahreszeit zu gestalten.
Dabei geht es nicht darum, bestimmte Gefühle wegzuüben oder immer gelassen sein zu müssen. Es geht darum, uns selbst wahrzunehmen und einen guten Umgang mit dem zu finden, was uns beschäftigt.
Vielleicht ist eine Vorbeuge an diesem Tag genau richtig. Vielleicht brauchen wir eine aufrechte, kraftvolle Haltung. Vielleicht ist es das Beste, einfach einige Minuten ruhig zu sitzen.
Die eigene Praxis darf sich verändern – genauso wie wir selbst.
Und vielleicht liegt darin eine wichtige Erkenntnis: Wir müssen nicht erst vollständig angekommen sein, um uns etwas Gutes tun zu können. Wir können schon mitten im Übergang damit beginnen.
Kirnberg an der Mank – ein neuer Ort für Wurzeln und Möglichkeiten
Wenn ich an unsere neue Heimat denke, freue ich mich auf vieles, das noch vor uns liegt.
Auf unser neues Zuhause, auf die Natur und die Jahreszeiten, auf neue Wege und darauf, unseren Alltag bewusst zu gestalten. Ich freue mich darauf, Kirnberg an der Mank immer besser kennenzulernen und nach und nach vertraute Orte zu entdecken.
Und ich freue mich auf die Möglichkeit, meine Erfahrungen aus vielen Jahren Yogaunterricht und ganzheitlicher Körperarbeit in einem neuen Rahmen weiterzugeben.
Vielleicht entstehen daraus Yogakurse, in denen Menschen nicht nur ihren Körper bewegen, sondern auch Zeit für sich finden. Vielleicht ergeben sich Begegnungen, aus denen neue Ideen wachsen. Vielleicht werden aus ersten gemeinsamen Stunden regelmäßige Momente, auf die sich Menschen in ihrem Alltag freuen.
Ich weiß noch nicht bis ins Detail, wie sich alles entwickeln wird. Und genau das darf sein.
Es gibt einen Unterschied zwischen einer klaren Ausrichtung und einem starren Plan. Ich kann wissen, was mir am Herzen liegt, ohne bereits jeden einzelnen Schritt festlegen zu müssen.
Für mich gehört das Vertrauen dazu, dass sich Wege oft erst zeigen, wenn wir sie tatsächlich gehen.
Wir dürfen uns vorbereiten, die notwendigen Schritte setzen und gleichzeitig offen bleiben für das, was sich anders entwickelt als erwartet.
Ein neuer Ort bietet uns die Möglichkeit, manches bewusster zu gestalten. Wir können entscheiden, welche Gewohnheiten wir beibehalten, welche wir verändern und welche neuen Rituale wir in unser Leben einladen möchten.
So entstehen nach und nach neue Wurzeln.
Nicht, weil wir unsere alten Wurzeln abschneiden, sondern weil unser Leben weiterwächst.
Eine kleine Herbstübung: Was darf gehen, was darf bleiben?
Vielleicht möchtest du dir in den kommenden Tagen selbst ein wenig Zeit nehmen. Du musst dafür nichts Besonderes vorbereiten. Ein ruhiger Platz, ein Blatt Papier und einige Minuten nur für dich reichen aus.
Nimm dir einen Moment, um bewusst anzukommen. Spüre deine Füße am Boden und beobachte deinen Atem.
Dann stelle dir drei Fragen:
1. Was darf ich loslassen?
Welche Erwartungen, Gewohnheiten oder Gedanken nehmen gerade viel Raum ein? Gibt es etwas, das dir früher wichtig war, sich heute aber nicht mehr richtig anfühlt? Du musst nicht sofort etwas verändern. Es reicht, ehrlich hinzuschauen.
2. Was möchte ich bewahren?
Welche Erfahrungen, Werte und Beziehungen sind dir besonders wertvoll? Was hat dich gestärkt und geprägt? Was möchtest du unabhängig von äußeren Veränderungen in deinem Leben behalten?
3. Was darf neu entstehen?
Welche Wünsche trägst du in dir? Wonach sehnst du dich? Gibt es etwas, für das du bisher zu wenig Zeit hattest? Vielleicht ist es mehr Bewegung, mehr Ruhe, mehr Natur, mehr Begegnung oder einfach mehr Zeit für dich selbst.
Schreibe auf, was dir in den Sinn kommt, ohne deine Antworten zu bewerten.
Du musst nicht gleich einen großen Plan daraus machen. Vielleicht genügt es, eine kleine Sache auszuwählen, die du in den nächsten Tagen umsetzen möchtest.
Ein Spaziergang an einem neuen Ort. Zehn Minuten Yoga am Morgen. Eine bewusste Pause ohne Handy. Ein Gespräch, das du schon länger führen möchtest. Oder ein Abend, an dem du nichts mehr erledigen musst.
Veränderung beginnt nicht immer mit einem großen Schritt. Oft beginnt sie mit einer kleinen Entscheidung, die wir bewusst treffen.
Ankommen beginnt in uns selbst
Je länger ich mich mit dem Thema Loslassen und Ankommen beschäftige, desto mehr wird mir bewusst, dass beides zusammengehört.
Wir können nicht alles Neue willkommen heißen, wenn wir krampfhaft versuchen, das Alte unverändert festzuhalten. Gleichzeitig müssen wir nicht alles hinter uns lassen, um einen neuen Anfang zu wagen.
Wir dürfen das Vergangene würdigen und uns trotzdem weiterentwickeln.
Wir dürfen Abschied nehmen und uns auf das Neue freuen. Wir dürfen unsicher sein und dennoch einen Schritt nach vorne machen. Und wir dürfen uns Zeit geben, wenn wir noch nicht genau wissen, wie unser nächster Lebensabschnitt aussehen wird.
Der Herbst zeigt uns, dass Rückzug, Veränderung und Loslassen natürliche Bestandteile des Lebens sind. Die TCM erinnert uns mit dem Element Metall an Klarheit, bewusstes Auswählen und das Zusammenspiel von Aufnehmen und Abgeben. Yoga und Meditation bieten uns Möglichkeiten, diesen Prozess achtsam zu begleiten und immer wieder zu uns selbst zurückzufinden.
Für mich persönlich bedeutet dieser Weg, meiner bisherigen Lebens- und Arbeitsphase mit Dankbarkeit zu begegnen und gleichzeitig offen für das zu bleiben, was in Kirnberg an der Mank entstehen darf.
Unser neues Zuhause wird mit der Zeit zu einem Ort, an dem neue Erinnerungen wachsen. Und ich hoffe, dass dort auch wieder Räume für Yoga, Begegnung, Achtsamkeit und gemeinsames Lernen entstehen werden.
Bis dahin darf ich selbst üben, was ich über viele Jahre auch anderen Menschen vermittelt habe: innehalten, wahrnehmen, loslassen und dem Leben mit Offenheit begegnen.
Vielleicht müssen wir gar nicht immer genau wissen, wohin uns der Weg führt.
Vielleicht reicht es manchmal, den nächsten Schritt bewusst zu gehen.
Denn Ankommen bedeutet nicht nur, einen neuen Ort zu erreichen. Es bedeutet auch, bei sich selbst anzukommen.
Und manchmal beginnt genau dort etwas ganz Neues.
Von Herzen,
Renate Reichard
Mensch und Raum